The New Politics of Lifestyles- Consumer Participation On/Offline – Bericht vom Internationalen Workshop in Siegen

„Politics of Lifestyles“ – Das klingt erstmal widersprüchlich, aber es Ausdruck eines veränderten politischen Engagements. Politischer Konsum, als das Kaufen, Nicht-Kaufen oder Problematisierens von Produkten und ihren Produktionsbedingungen, ist für viele Menschen heute ein Weg, sich im Kleinen politisch zu engagieren. Wie das passiert, wie sich diese Menschen vernetzen und wie sie ihr Engagement definieren und ausüben, das war am 23. und 24. September 2014 Thema beim einem internationalen Workshop an der Universität Siegen. Und ich hatte das Glück als Referentin eingeladen zu sein.

Das Glück bezieht sich nicht nur darauf, dass ich über meine Forschungsergebnisse und Beobachten in Bezug auf Web-Kampagnen referieren konnte, sondern vor allem auch darauf, die anderen Referenten kennenzulernen und etwas über deren interessante Forschungsergebnisse und theoretische Überlegungen zu erfahren. Sigrid Baringhorst, die Organisatoren des Workshops eröffnet mit ihrer Keynote zu “Changing patterns of political participation“ die Veranstaltung. Die zweite Keynote von Michele Micheletti von der University of Stockholm “The New Politics of Consumption“ zeigte, wie weit diese Art des politischen Protestes ist, aber auch wie groß die Unterschiede in den verschiedenen Ländern sind.

Besonders interessant auch im Zusammenhang mit meiner eigenen Arbeit waren zwei weitere Vorträge. Alexandra Segerberg von der University of Stockholm zeiget ihn ihrem Vortrag “Digitally mediated collective action and the new logic of communication” wie sich Aktivismus verändert und Netzwerke eine wichtige Rolle dabei spielen. Todd Graham von der University of Groningen wiederum bewies mit seiner Forschung, dass Politik im Internet nicht unbedingt auf politischen Webseiten stattfindet. Im Vortrag „Third Spaces and Political Talk“ hat er Ergebnisse seiner Erforschung von Internetforen vorgestellt und dabei hat er sich eben nicht die politischen Internetforen angeschaut, wie zum Beispiel die politischer Magazine, sondern Foren, die sich mit Elternschaft, Finanzen und Entertainment beschäftigen Interessanter Weise entwickeln sich dort politische Diskussionen oft aus Themen, die anfangs gar nicht politisch sind und zuweilen werden aus diesen dann doch politischen Diskussionen politische Aktionen in Form von Petitionen, Anfragen an Abgeordneten und so weiter. Ergebnisse aus dem DFG-Projekt „Consumer Netizens – neue Formen von Bürgerschaft an der Schnittstelle zwischen politischem Konsum und Social Web“ stellte Mundo Yang in seinem Vortrag „Types of Consumer Netizens“ vor. Im Rahmen des Projektes hatten sie Menschen, die aktive politische Konsumenten waren, um das Führen von Tagebüchern gebeten. Die Ergebnisse, die bei der Auswertung herauskamen, sind überaus interessant, da sie einen Einblick in das Selbstverständnis dieser Art von Aktiven geben.

Neben den Vorträgen waren es – wie immer bei solchen Veranstaltungen – nicht nur die Vorträge, sondern vor allem auch die Gespräche zwischendurch, die interessant sind. Besonders schön war dabei, dass Sigrid Baringhorst noch vor dem eigentlichen Workshop ein Treffen der Referenten mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern organisiert hatte, bei denen in sehr ungezwungener Runde über mögliche Fragen und Ideen für weitere Forschung diskutiert wurde. Wir Referentinnen und Referenten hatten schon am Vorabend beim gemeinsamen Abendessen einige interessante Themen diskutiert. Vor allem die Frage, wo man die Grenzen zieht, dessen, was man als Politik und politisches Engagement definieren kann, wurde hitzig diskutiert.

Infos zum DFG-Projekt „Consumer Netizens – neue Formen von Bürgerschaft an der Schnittstelle zwischen politischem Konsum und Social Web“ gibt es unter: http://blogs.uni-siegen.de/consumer-participation/

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