US-Wahlkampf – Ein paar Beobachtungen aus der Ferne

Nächste Woche ist der wohl ungewöhnlichste Wahlkampf in der Geschichte der USA zu Ende – am 8. November wird endlich gewählt. Fast das ganze letzte Jahr habe ich immer wieder über diverse Online-Quellen diesen Wahlkampf verfolgt. Meine Beobachtungen haben nicht den Anspruch eine wissenschaftliche Auswertung zu sein. Sie entstanden aus der Ferne und wie bei jeder Art von Online-Kommunikation schlägt auch hier die Filterblase mehr oder weniger stark zu. Von daher sollen die folgenden Beobachtungen nur ein kleines Licht auf diesen wahrlich absurden Wahlkampf werfen – von Twitter über Comedians bis hin zum Sexismus.

Hier also ein paar meiner Beobachtungen:

Twitter:

Seit klar war, dass Donald Trump nicht nur eine Anekdote im republikanischen Vorwahlkampf sein würde, folge ich Trump und auch Clinton auf Twitter. Klar wird recht schnell, dass der Account von Clinton professioneller ist. Zwar tauchen auch immer wieder Nachrichten mit persönlicherem Charakter auf, aber im Großen und Ganzen sieht man den Tweets an, dass sie von professionellen Kommunikatoren verfasst wurden. Und so stehen die policies, das politische Programm, immer wieder im Vordergrund – seien es die Änderungen bei den student loans oder auch ihre Wirtschaftspläne. Doch mit zunehmender Schärfe im Wahlkampf mischen sich immer mehr Angriffe auf ihren Gegner unter die Tweets – und auch diese sind hervorragend gemacht – kleine Videos, gute Grafiken und Links auf ihre Webseite. Und selbst die schärfsten Angriffe entbehren nicht einer gewissen Sachlichkeit und so spiegeln sie, wenn sie auch vom Social Media Team Clintons geschrieben werden, die Kandidatin sehr gut wider. Denn wie in den Debatten bleibt Clinton auch auf Twitter ihrer Linie treu.

Das Gleiche kann man auch von Trump sagen, nur dass dessen Linie eben eine ganz andere ist. Vor allem während der Vorwahlen aber auch immer wieder im gesamten Wahlkampf fiel Trump durch seine beleidigenden, hetzerischen Tweets auf. Dazu passt die Analyse, die über die Herkunft der Tweets recht genau darstellte, welche Tweets wohl wirklich von ihm persönlich kamen. Dass sich die Zahl der persönlichen Tweets in der Zwischenzeit einmal deutlich verringerten wurde dann sogleich als Kontrolle des Wahlkampfteams über den unberechenbaren Kandidaten gedeutet. Im Vergleich zu den Tweets, die wohl wirklich von im persönlich verfasst wurden, sind ein Großteil der sonstigen Tweets eher todlangweilig. Sie bestehen vor allem aus Ankündigungen von Trump-Auftritten und anschließenden Dankes-Tweets an die jubelnden Anhänger. Was man hingegen bei den Tweets von Trump so gut wie gar nicht fand, waren Hinweise auf seine policies, auf seine programmatischen Vorhaben, aber auch das ist m.E. nach im Einklang mit dem Gesamtauftritt des Kandidaten.

Und nur eine Anmerkung zu den Reaktionen auf Twitter zu beiden Kandidaten – die braucht man sich wirklich nicht anschauen, denn sie waren nur höchst selten auf den Inhalt der ursprünglichen Tweets bezogen und spiegelten zum zweiten den Hass der jeweiligen Anhänger auf den gegnerischen Kandidaten wider – denn in erster Linie beschimpfte man sich, von Dialog oder sachlicher Kritik war da noch weniger zu sehen als bei den Kandidaten selbst.

Comedians

Gerade weil der Wahlkampf an sich schon so absurd war, lohnte sich ein Blick auf die Verarbeitung des Geschehens durch die amerikanische Late Night und Comedy-Szene. Und obwohl der Wahlkampf ja wahrlich mehr als genug Stoff bot, wurde man den Eindruck nicht los, dass auch die Comedians zuweilen nur den Kopf schütteln konnten. Was soll man auch kabarettistisch verarbeiten, was schon an sich wie Kabarett wirkt. Nichtsdestotrotz haben es vor allem John Oliver, Seth Meyer aber auch Saturday Night Live geschafft, der Absurdität etwas witziges abzugewinnen und gleichzeitig daran zu erinnern, worum es eigentlich gehen sollte.

Wie verzweifelt sich wohl so manch einer wünschte, die Trump-Kandidatur wäre nur ein Scherz, dass zeigte John Oliver in diesem Beitrag. Äußerst überzeugend trägt John Oliver vor, warum es für Trump das Beste wäre, zurückzutreten und präsentierte auch gleich die passende Rede dazu. Verzweifelt war wohl auch Jon Stewart. Der Altmeister der Daily Show hatte sich im letzten Jahr eigentlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nach dem Republikanischen Nominierungsparteitag fühlte er sich aber offensichtlich genötigt, seine Meinung zu Donald Trump kund zu tun. Als Gast trat er in Stephen Colberts Late Show auf und das YouTube-Video dazu konnte nur drei Tage nach der Veröffentlichung bereits 11 Millionen Aufrufe vorweisen.

Sexismus

Sexismus war ein immer wieder aufkommendes Thema. Trumps Bemerkungen, sein Verhalten, aber auch die Art, wie mit Clinton umgegangen wurde – Sexismus ist ein roter Faden. Wer beispielsweise die Absurdität dieses Wahlkampfes richtig erfassen wollte, der musste nur die Debatten anschauen. Debatten wurden auch in der Vergangenheit immer für harte Schlagabtäusche genutzt, aber das alles war nichts im Vergleich zu diesen drei Debatten. Die Debatten waren auch eine Paradebeispiel dafür, wie ein Macho sich gegenüber einer klugen Frau verhielt, denn alleine in der ersten Debatte unterbrach Trump Clinton 51mal – ein déjà vu für viele Frauen, wie auch der amerikanische public broadcaster PBS feststellte. (Natürlich unterbrach auch Clintion Trump, das allerdings nur 17mal) Und dann die zweite Debatte, im townhall Format, bei der man einen unruhigen Trump auf und ab gehen sah, wenn Clinton sich mit ihrer Antwort an den Fragesteller im Publikum wandte. Auch hier sagte die Körpersprache von Trump mehr als Tausend Worte, obwohl seine Worte, den Eindruck nochmal bestätigten – er kommt nicht mit Frauen als Gleichgestellte klar.

Was Trump in seinen Reden und seiner Körpersprache ausdrückt, ist – so zeigen Studien von verschiedenen Wissenschaftlern – auch das, was seine treuen Anhänger schätzen. Sexismus – nicht wirtschaftliche Not oder Rassismus – ist ein Kriterium, das die Trump-Anhänger verbindet.  Und bei allem, was über Clinton und beispielsweise über die unsägliche E-Mail-Affäre geschrieben wird, wird  man oder „frau“ den Eindruck nicht los, dass auch in den Medien mit zweierlei Maß gemessen wird. Aber interessanter Weise haben sich einige Medien auch die Frage gestellt, was wäre wenn Trump eine Frau wäre – die New York Times  oder der Rolling Stone. Umgekehrt fragten sich einige Journalisten auch, was wäre, wenn Clinton ein Mann wäre – so zum Beispiel die Washington Post. Am besten macht dieser Artikel der New York Times den doppelten Standard sichtbar.

Fazit

Ein Fazit kann es gar nicht geben, denn es gäbe noch so viele Punkte, die man hier aufführen könnte – die Sinnlosigkeit von Online-Umfragen zur Bestimmung des Gewinners einer Präsidentschaftsdebatte (Trump sah sich aufgrund solcher Umfragen immer als Sieger, auch wenn repräsentative Umfrage zu ganz anderen Ergebnissen kamen), die vielen Versuch der großen Medien-Outlets das Phänomen Trump zu erklären und dabei ihre eigene Rolle im Vorwahlkampf vollkommen zu vergessen – wie eine Studie des Harvard Shorenstein Center on Media, Public Policy, and Politics  zeigte. Oder auch die Problematik von Prognosen mit unterschiedlichen Befragungssystemen oder die Tücken, die Twitter mit sich bringt, wenn man die Stimmung der Menschen erfassen will, zumal wenn social bots offenbar im Einsatz sind . Von daher ziehe ich hier einen Schlussstrich, wohl wissend, dass ich hier nicht mal im Ansatz die Menge meiner Beobachtungen wiedergeben kann.

 

 

 

 

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